Yachtüberführung Fehmarn - Lissabon

Jeanneau 49 i   

 

14.05.18, Deutsche Bucht

Wir sind mal wieder auf Langfahrt: Fehmarn - Amsterdam - London - Lissabon. Geplant sind 3 Wochen. Vorgestern haben wir auf Fehmarn die Leinen geslipt und sind rüber nach Kiel motort, zum Tiessenkai. Gibt es einen charmanteren Hafen? Ist das überhaupt ein Hafen? Wohl mehr ein buchenumrankter Anleger aus der Kaiserzeit, vor den Schleusen zum Nord-Ostsee-Kanal.

N o r d - O s t s e e -K a n a l - dieses Wort! Kein Wunder, dass alle Welt „Kiel Kanal“ sagt. Wer hat denn auch schon Lust auf dieses Amtsdeutsch? Dabei besticht der „N.O.K.“, wie wir ihn meistens nennen, an manchen Stellen mit wilder Schönheit. Jedenfalls haben wir die 8 Stunden unter Motor irgendwie durchgestanden und gingen am frühen Nachmittag in Brunsbüttel durch die Schleuse "Alte Süd". Das sollte bis Amsterdam eigentlich unser letzter Kontakt mit dem Land gewesen sein, aber es kam anders: Die Elbe hatte uns eben ausgespuckt, die Sonne wollte gerade in die Nordsee sinken, als wir bemerkten, dass die Genua sich sehr schwer einrollen ließ. Wir versuchten es mit Kraft, aber da ging schon gar nichts mehr. Auch das Ablassen des Segels nicht, es rollte auch nicht mehr ein. Vor uns hing zu diesem Zeitpunkt eine riesige, schwarze Wolke, und Elbe Traffic hatte vor 9 Beaufort gewarnt. Bei der Vorstellung im Gewitter mit der killenden Genua zu kämpfen wurde uns etwas mulmig zumute, aber dann bekamen wir das Segel doch noch weg, indem wir viele, viele Kreise fuhren und es so um das Vorstag herum aufwickelten.

Mit der Flut liefen wir zurück nach Cuxhaven.

Wer wir eigentlich sind?

Da ist zunächst mal Guido, der Eigner der Imperia, ohne den es diesen Törn nicht geben würde. Er wird mit diesem Schiff auf große Fahrt gehen, einmal um die ganze Welt. Guido ist ein schwäbischer Unternehmer in den besten Jahren. Ich kenne ihn noch nicht lange, aber ich würde sagen, er ist jemand, der sich die Butter nicht vom Brot nehmen lässt. Ein agiler, impulsiver Typ, der gelernt hat, dass es auf einem Schiff meistens etwas zu tun gibt, und der es tut. Er mag es also aufgeklart und weiß genau, was er will  - für einen Skipper ja keine schlechte Eigenschaft. Guido ist schon zweimal über den Atlantik gesegelt und etliche Meilen auf dem Mittelmeer und dem Bodensee gefahren. Nur auf der uns bevorstehenden Route war er noch nicht unterwegs, und deshalb bin ich hier mit an Bord.

Ebenfalls aus Baden dabei ist Männi, ein Freund von Guido. Guido und Männi kennen sich schon ewig. Sie sind beide in irgendeinem Verein in Breisach und auch schon einige Meilen zusammen gesegelt. Männi ist eher zurückhaltend, und hat einen Sinn für englischen Humor. Er segelt erst seit 4 Jahren, ist an nautischen Themen aber immer interessiert. Leider wird er zunächst nur bis Amsterdam an Bord bleiben und dann durch „Ronny“ ersetzt.

 

Unser dritter Mann ist Thomas. Wir beide sind schon ein paar Mal miteinander im Englischen Kanal auf Törn gewesen und deshalb habe ich ihn hier mit an Bord gebracht. Thomas kommt ursprünglich aus Rostock, und ist vor vielen Jahren als junger Funker in der DDR-Marine gefahren. Seither hat er alle möglichen Erfahrungen auf Yachten gesammelt. Neben dem Segeln hat er übrigens noch eine zweite Leidenschaft, nämlich Bilder zu machen. Er hat eine Gopro, eine Vollformatkamera und eine Drohne dabei. Thomas will diesen Törn also ins rechte Bild setzen, gerne hält er einem dazu beim Essen die Gopro ins Gesicht, weil es ja auch persönliche Bilder braucht. Tatsächlich verbringt er an Bord einen Teil seiner Zeit mit der Postproduktion, zur Freude Guidos, der die entstandenen Clips dann in seinem Blog hoch laden kann.

 

Ich bin auf diesem Törn Lotse und Teilzeit-Smutje. Ist nicht immer ganz einfach, wenn man über 100.000 Meilen im Kielwasser hat. Hat aber Vorteile, wenn man nicht die Verantwortung trägt. Ich bin die Tour in den letzten Jahren etliche Male gesegelt, nur die Themse kenne ich noch nicht.

Interessant ist hier an Bord für mich auf jeden Fall die Mischung: Badenser und Nordeutsche auf einem Boot. Da gibts von Haus aus ein paar Unterschiede. Für den Badenser ist ein Boot ja meist nur ein „Bötle“, und natürlich sind die irgendwie quirliger als wir. Ich habe kein Problem damit. Wenn man Vielfalt nicht zu schätzen weiß, kann man ja gleich zu Hause bleiben.

 

 

15.05.18, Nordsee, Niederlande, Küstenverkehrszone

 

Mittlerweile haben wir Texel hinter uns. Leider macht die Rollreffanlage wieder Ärger. Technische Probleme gehören aber zur Seefahrt wie das Warten; Schiffe sind eben komplexe Gegenstände, oder gar Lebewesen? Auf jeden Fall sind sie in den letzten Jahren immer komplizierter geworden, weshalb ich mir manchmal ein Wikingerboot wünsche und ein paar hart gesottene Männer. Keinen Motor, nur Ruder, und überhaupt keine Elektrik, die ist bei Salzwasser viel zu anfällig. Wenn der Wind nicht stimmt, wird eben gerudert. Toilette geht über Bord und gekocht wird unter einem Dreibein.

Bei uns wird gerade nicht gerudert, sondern motort. 90 Dezibel in der Kabine. Ich schreibe diese Sätze deshalb mit Ohropax, denn unsere Kabine (Thomas und ich teilen uns eine) befindet sich nahe der Maschine. Gegen Mitternacht solten wir in Ijmuiden, westlich vor Amsterdam, einlaufen.

 

 

16.05.2018 Amsterdam

 

Gestern sind wir bei Regen und Wind durch die Schleusen gegangen. Als wir durch den Nordzeekanal fuhren riss der Himmel wieder auf. Amsterdam empfing uns mit strahlendem Sonnenschein und einer kalten Brise aus Nord. Die Marina liegt zwischen einer Ölbohrinsel-Werft und modernster Architektur. Das Ganze ist in Amsterdam-Noord, unweit der ehemaligen NDSM-Schiffswerft, die heute von Künstlern genutzt wird und als Zentrum der Hipster gilt. Schöner Kontrast zum Touristen-Gedränge im musealen Teil der Stadt, auf der anderen Seite. Wir sehen uns hier etwas um, dann geht es auf den nächsten Schlag, nach London.

 

Fortsetzung folgt…

 

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