Foto Thomas Götzen

Alicante, 07.07.18

 

Von Casacais brauchten wir einen Tag bis zum Kap Sao Vicente - der Südwestecke der Iberischen Halbinsel. Raume Winde schoben uns von der Algarve aus auf die Straße von Gibraltar zu. Als die Nacht kam türmten sich die Wellen achteraus immer steiler auf, das war nicht allen an Bord geheuer, aber man gewöhnt sich an vieles auf See, auch an eine rasante Abfahrt.

 

Die Straße von Gibraltar ist stets ein Grund zur Obacht. Alles nimmt zu: Verkehr, Strom, Wind, Wellen, schlechte Sicht. Wir erreichten Tarifa am frühen Nachmittag. Ab hier sind es 25 Meilen durch das engste Stück. Glücklicherweise waren Strom und Wind auf unserer Seite, wir kamen ganz gut voran. Mit einem Mal blies ein Finnwal vor uns, sein massiger Körper tauchte vor dem Bug auf und wieder ab, beinahe hätten wir ihn - trotz eines Ausweichmanövers - gerammt. Zwei Whalewatching-Boote mit zig Touristen auf dem Oberdeck jagten ihm mit viel Gedröhn nach. Dahinter: Containerschiffe, wie an der Perlenkette aufgereiht. Das marokkanische Ufer, die Hafenanlagen von Tanger im Dunst. Im Funk die Stimme einer Spanierin von Tarifa Traffic, die die Frachter anrief. „Good Morning Sir, what was your last port of call? How many people on board? What’s your cargo? What’s your destination and ETA?

Als sich die Bucht von Algeciras an Backbord öffnete legte der Wind zu. Der Affenfelsen ragte vor uns auf, vor strahlend blauem Himmel. Ein schiefer Brocken, eine Abbruchkannte, auf der menschliche Bauten wie ein Bakterienkolonie wuchern. Ganz im Süden, stirnseitig, eine riesige Moschee. Unweit davon, in stiller Konkurrenz, Europa Point Lighthouse, seit 1838 betrieben von Trinity House.

Es pfiff um den Felsen herum, der Wind wurde noch stärker, der mitlaufende Strom war versiegt. Die Rückenflosse eines Hais schlängelte sich an uns vorbei. Auf dem Wasser war eine Grenze zu sehen, hinter der es zu kochen schien. Dort lief der Strom schon gegen den Wind. Wir waren erleichtert, als wir in den Windschatten des Affenfelsens kamen. Vereinzelte Fallböen bildeten den Schlusspunkt dieser Passage. Wir hatten das Mittelmeer erreicht.

 

Als die Nacht kam in der Alboransee lebte der Wind wieder auf, die Düse aus der Straße schickte uns 6-7 Windstärken. Nun bin ich es, der Bedenken anmeldet, angesichts der steilen, dicht hintereinander laufenden Wellen und unserer Müdigkeit. Doch wir blieben draußen, ließen die Amara los, kreuzten in langen Schlägen vor dem Wind.

Am nächsten Vormittag glättete sich ringsum die See. Wir setzten den Parasailor, aber dann fiel auch dieser in sich zusammen. Bald motorten wir durch die Flaute.

Als die Sonne unterging, standen wir am Cabo de Gata, östlich von Almeria. Eine Sicherheitsmeldung erreichte uns über Funk: 40 Afrikaner sollen hier irgendwo in einem Gummiboot treiben. Man ist aufgerufen, die Augen offen zu halten. Ein Hubschrauber der Guardia Costeria schwebte über uns hinweg, auch ein Suchboot war im Einsatz. Wir schalteten das Radar ein, hielten Ausschau. Wie entscheide ich, wenn ich die hier draußen treffe? 40 arme Teufel passen hier nicht an Bord, die Hälfte aber schon. Wir begegneten niemandem, außer Fischern.

Als wir das Kap Palos am nächsten Ortsmittag erreichen kehrt der Wind zurück, diesmal von vorn. Thomas und Sven trimmen die Segel mit viel Geschick, die Amara läuft schön hoch am Wind. Vor Mitternacht machten wir in Alicante fest, 5 Tage nach Cascais.


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